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ARD-Themenwoche "Der mobile Mensch" Wohnen in der "Riesen-WG"

http://www.tagesschau.de/inland/themenwoche108.html

ARD-Themenwoche "Der mobile Mensch"
Wohnen in der "Riesen-WG"

Wenn man beruflich für einen befristeten Zeitraum in eine andere Stadt ziehen muss, heißt die Frage: Hotel oder Wohnung? Beides zu teuer oder zu aufwändig, finden viele. Die ARD-Themenwoche "Der mobile Mensch" stellt eine einfache Lösung vor: das sogenannte "Co-Living". In einer Art "Riesen-WG" in Düsseldorf wohnen Job-Nomaden, die neben einer Bleibe auch neue Kontakte suchen.

Von Judith Schacht, WDR Köln

ARD-Themenwoche: Jobnomaden im "Co-Living", tagesschau 12:00 Uhr [Judith Schacht, WDR]
intern Download der Videodatei

Tolle WG-Mitbewohner: Anleitung, wie man die coole WG finden kann


Tolle WG-Mitbewohner: Anleitung, wie man die coole WG finden kann

Meinen neuen coolen WG-Mitbewohner
Schwierigkeitsgrad: Offenheit gefragt
Es ist gerade die Zeit, wo Horden von frischen Abiturientinnen oder jungen Männern, die grundlos ausgemustert wurden, sich in die Großstädte begeben, um dort mehrere Jahre mit dem Geld von Mutti und Vati oder vom Amt mal so richtig tierisch einen drauf zu machen. Die ZVS hat ausgesiebt, der Studienort steht fest (leider isses nicht Berlin geworden, uncool -aber da kann man ja später Praktikum machen!) und jetzt geht´s los mit "coole Mitbewohner" finden. Die Studienanfänger (oder Studi-Anfänger) stürmen den lokalen WG-Markt und lernen die erste Hürde im richtigen Leben kennen.
Bevor´s losgeht, wird sich sich erstmal schön ins Studi-VZ eingetragen. War man zwar schon vorher drinne und alle anderen ja auch – aber jetzt ist man auch wirklich berechtigt. Ins Studi-VZ kommen viele Bilder von einem selber, möglichst von coolen Parties oder an coolen Auslands-Locations, auch gerne Besoffenheitsbilder oder eines, wo man gerade am Kotzen ist. Das ganze wird bunt abgemischt mit persönlichen Hobbies, Lebensanschauungen und weisen Sprüchen von Dichtern, die man noch aus dem Deutsch-LK kennt. Schon hat man ein prima supi-realistisches Profil. Jetzt kann man noch den diversen Studi-VZ-Gruppen beitreten, zum Beispiel:
  • Studi-VZ-Warum-ist-die-nicht-nackig?-Gruppe oder

  • Studi-VZ-Wie-kriege-ich-das-Bild-größer?-Gruppe oder

  • Studi-VZ-Sucht-ihr-auch-grad-ne-coole-WG?-Gruppe

Alle Leute, die man ab jetzt kennenlernt, kann man als Freunde "adden" und ab & zu mal "gruscheln". Jetzt fehlt nur noch die passende WG mit den besagten, coolen Mitbewohnern.
Bevor man nun gleich zur Mitfahrzentrale läuft und live in die neue Heimat, fern von den Eltern, fährt und sich ausmalt, dass man schon auf der Reise "total coole Menschen" kennelernt, sollte man erstmal die schwarzen Bretter der jeweiligen Unis "abchecken". Kann man bequem vom Kinderzimmer aus machen.
Dort wird man grundsätzlich auf zwei Arten von coolen, neuen WG-Mitbewohnern treffen. Einmal die, die neu in der Uni-Stadt sind (hier: "die Aufgeregten") und einmal die, die nicht mehr neu sind (hier: "die netten Studis").
Es folgen jeweilige Inserat-Beispiele der Gruppen auf der Suche nach einem neuen WG-Mitbewohner:
1. Die Aufgeregten, Anzeigentext ist ungefähr so (Tipfehler sind der Aufregung geschuldet – es ist halt alles so neu!):
"Hallihallöchen!!! Wir, die Lucy, das Magdalenchen und die Frauke, sind totoal neu in derStadt. Wir sind drei lustige, unternehmungslustige und Frohnaturen, wie man sie im Buche findet.Wir kommen nicht von hier-aber wollen erst bald sein. Erstmal zu uns: Lucy, 19, mag Katzen und alles von Alfred Hitchcook. Ich, also Magda(oder magdalene, ganz wie ihr wollt ;) ) bin auch neu. Und die Frauke istunsere Spezialistin für alles. Wur suchen DRIGNGEND noch einen Mitbewohner für unsere tolle Altbau-WG mit Kohleofen in (coolsten Stadtteil hier einfügen). Die Wohnung hat alle Fenster hin zur Straßenbahnhaltestelle, liegt im Tiefpaterre und ist dadurch supizentral. Bad hat zwar nur Dusche -aber wir können ja einen Badeplan machen. Dein niedliches und supergemütliches Zimmerchen wäre 4qm groß und direkt neben dem Flur. Allerdings müsstest ab und zu Du die Frauke durchlassen, damit die in ihr Zimmer kann. Gemeinschaftskeller gibt´s auch für alle Mitbewohnis. Da wollen wir demnächst eine Tischtennisplatte oder Kicker hinstellen.wir wollen unser neus Leben so richtig in volle Zügen und wenn das was für dich ;) einfach mal durchklingeln oder vorbeikommen!! Achso: Dein Zimmer würde kostet 496,- Euro warm + Heizkosten + Strom + Gas + Kohle. Supipreis für die Lage, wie wir finden. Und in die Makler-Courtage von 5 Monantsmieten können wir uns ja noch reinteilen. Also: melde Dich. DRIGEND ab 1.OCtober Wir freununs. Tschüssi & bisbald!!!"
Tipp: Wenn Du zu den 3 Mädels ziehen möchtest, dann kannst Du Dich -auch als Kerl- ruhig etwas schminken und so tun, als wärst Du schon länger in der Stadt. Etwas metrosexueller Style verleiht ein hippes Charisma und kauf Dir am besten die letzte Szene-Zeitung und erzähl den Mädels, welche coolen Parties Du so besucht hast. Das dürfte Dir das Zimmer sichern.
2. Die netten Studis, Text ungefähr so:
"Offene 4er WG (3xm + Du? w oder m) sucht einen 4. Mitbewohner, da unsere Franzi uns leider verlässt für ein Praktikum in Berlin. Du könntest ab etwa Mitte Oktober zu uns in ein vollmöbliertes Zimmer einziehen. Bleiben kannst Du bis Mitte oder Ende Februar, je nachdem wann Franzi zurückkommt aus Berlin.
Wir sind drei lockere Jungens (Timo- Ern.wis., Fabian – Soz.Wis. und Dave – Mus. & Soz.Wis./DJ) haben einen ziemlich lockeren Umgang und sind ziemlich offen und tolerant. Genau darauf würden wir Wert bei Dir legen. Wir sind keine Zweck-WG sondern machen auch mal was zusammen außerhalb der Wohnung oder laden Freunde ein, wenn es wieder leckeres thailändisch gibt.
Sauberkeit und Ordnung sehen wir ganz locker -dafür haben wir einen Putzplan gemacht, damit es keine Streitereien gibt. Und wenn´s doch mal kneift, sprechen wir es offen und gleich an. Auch Du solltest diese Offenheit mitbringen und auch mal die Tür zum Zimmer offen halten. Wir wollen keine Sich-Ein-Igler, allerdings können wir es sehr respektieren, wenn Du ein Stück weit Ruhe brauchst. Danach kannst Du gerne in unserer großen Gemeinschaftsküche mit uns drüber reden.
Das Zimmer hat einen tollen Blick in den Garten, wo man gerade niedliche Jungkatzen beobachten kann. Es ist 13qm groß und kostet komplett (inkl. DSL-Flatrate!) 245,- Euronen.
Einfach mal melden bei Timo, Fabian oder Dave."
Tipp: In diese WG kommst Du am besten ´rein, wenn Du gerade von einem Auslandjahr zurückkommst. Indien oder Südamerika sind da Favoriten – bei einem Jahr in den USA bist Du allerdings raus. Bring etwas selbstgemachten Tee und politisch korrekte Anschauungen sowie Underground-Musikkenntnis mit. Ne eigene Studi-VZ-Seite ist voll okay-besser ist allerdings eine bei MySpace (Dave ist doch DJ!). Ein Dinkelvollkornbrot als Gastgeschenk kommt sicherlich auch ganz gut. Es wird ein Stück-weit dauern, bis sich Timo, Fabian oder Dave bei Dir melden. Aber nachdem die Drei ausführlich Vor- und Nachteile aller Kandidaten abgewogen haben und Du ausgewählt wurdest, bist Du umso mehr willkommen, Dich in diese familiäre WG bis Mitte Februar zu integrieren.
Es gibt sicherlich noch mehr WG-Gruppen, wie die anschlusssuchende, verzweifelte alte Theaterwissenschaftlerin oder die WG mit Kind. Wenn Ihr dafür noch Tipps oder Beispielinserate habt, könnt Ihr ja gerne einen Kommentar hinterlassen. Vielleicht sucht Ihr auch grade – dann könnt Ihr auch ein Inserat eingeben und wir könnten es dann für Euch frisieren. Bis dahin!

Kölnische Runschau über WGCAFE


http://www.rundschau-online.de/html/artikel/1139127216698.shtml



Ein buntes Sammelsurium

Erstellt 05.02.06, 18:56h, aktualisiert 06.02.06, 10:12h

25 Frauen und Männer leben unter einem Dach - bei ständig wechselnder Zusammensetzung. In einem umgebauten Düsseldorfer Autohaus soll Deutschland größte Wohngemeinschaft entstehen.

Bild: dpa
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Die Mitglieder der "WG Café" in Düsseldorf wollen die größte Wohngemeinschaft Deutschlands aufbauen.
Düsseldorf (dpa) - "Wenn jemand das zweite, dritte Mal bei uns am Tisch sitzt, frag' ich ihn, ob er hier wohnt." Im "WG-Café" in Düsseldorf kann man schnell mal den Überblick verlieren. 25 Frauen und Männer leben in einer großen Wohngemeinschaft auf 1500 Quadratmetern unter einem Dach - bei ständig wechselnder Zusammensetzung. In einem Monat sollen es schon 40 Mitbewohner sein. Vor einem Jahr hatte Klaus Moskop (42) die Idee zu "Deutschlands größter WG" und machte sich umgehend an deren Umsetzung. Nun ist ein umgebautes Autohaus samt angrenzender Wohnungen Heimstätte eines "bunten Sammelsuriums von Leuten".Das Herz der Wohngemeinschaft schlägt am großen Küchentisch. Hier sitzen allabendlich Anwälte, Studenten, Hartz-IV-Geld-Empfänger, Werber, Stahlhändler und der Chefkonditor eines großen Hotels zum gemeinsamen Essen zusammen. Hier klingt bei Altbier, Spanferkel und Zigarren der Tag aus. "Es ist bei uns so interessant, weil alle total unterschiedliche Charaktere sind", preist Natasha die Vorzüge ihrer "Patchwork-Familie" an. Die 24-jährige Hamburgerin ist vor vier Monaten zum Architekturstudium nach Düsseldorf gezogen. "Um Leute in neuer Umgebung kennen zu lernen, ist unsere WG ideal."
Auch "Herbergsvater" Klaus zieht nach einem Jahr stolz Zwischenbilanz: "Alle verstehen sich, es gab noch nie einen offenen Konflikt, und wir können uns vor Anfragen kaum retten." Mehr als 150 Bewerber würden auf der Warteliste stehen.
Kein Wunder, schließlich hat das "WG-Café" eine Menge Vorzüge. Für eine Miete zwischen 300 und 400 Euro pro Monat steht den "Kommunarden" Köchin, Putzkraft sowie freier Telefon- und Internetanschluss zur Verfügung. "Sauberkeit, Geldangelegenheiten, die Umverteilung von Diensten - wo es in anderen WGs Streit gibt, haben wir keine Probleme", erläutert Klaus sein All-inclusive- Angebot.
Während für den Internetunternehmer das Wohnexperiment eine Lebensaufgabe ist, betrachten die meisten das "WG-Café" als Durchgangsstation. "Mit der Idee, bis zum Sanktnimmerleinstag hier zu wohnen, kommt keiner hierher", sagt Alexander. Manchmal habe man schon das Bedürfnis nach etwas mehr Ruhe und Privatleben, pflichtet ihm Mitbewohnerin Nathalie bei. Das 19-jährige "WG-Nesthäkchen" macht derzeit ein Praktikum bei einem Düsseldorfer Theater und will noch "maximal ein Jahr" bleiben. Den Haustürschlüssel muss sie dann aber nicht abgeben: Allen Ex-Bewohnern steht das "WG-Café" jederzeit offen.
Doch egal, ob sie schon nach kurzer Zeit wieder ihre Koffer packen wollen oder sich für länger einrichten - von der Idee der Groß-WG sind alle Bewohner begeistert. "Hier ist der Zeitgeist. Für mich ist die WG eine Essenz der momentanen gesellschaftlichen Neuordnung", sagt WG-Senior Stefan. Nach der Trennung von seiner Familie hat der 45 Jahre alte Chirurg dort Unterschlupf gesucht, um nicht alleine zu sein. "Hier gibt es nicht nur Halli-Galli, sondern auch viele intensive Situationen."
Den Erfolg seines Wohnexperiments führt "WG-Papa" Klaus auf die veränderten Lebensbedingungen im 21. Jahrhundert zurück. Bei zunehmenden Berufs-Nomadentum und überteuerten Mieten werde die WG als Lebensform eine Renaissance erleben. "Diese Art des Wohnens wird in ganz Deutschland wieder entdeckt werden."
(Internet: www.wgcafe.de)

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Deutsche Heiligtümer: Die WG






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"Deutschlands größte WG"
DPA
"Deutschlands größte WG": Mitglieder der Wohngemeinschaft "WG Café" beim Essen. Hier wohnen insgesamt 25 Männer und Frauen in einer riesigen WG auf 1500 Quadratmetern - und die WG will sich weiter vergrößern. Bis zu 40 Leute sollen hier bald wohnen, 150 stehen bereits auf der Warteliste.

Handelsblatt über WGcafe


DÜSSELDORFER PLANEN DEUTSCHLANDS GRÖSSTE WEin „buntes Sammelsurium von Leuten“

Bei zunehmendem Berufs-Nomadentum und überteuerten Mieten erlebt die WG als Lebensform eine Renaissance. In Düsseldorf ist ein besonders ambitioniertes Projekt gestartet: „Herbergsvater“ Klaus will die größte Wohngemeinschaft Deutschlands schaffen.
http://www.handelsblatt.com/panorama/aus-aller-welt/ein-buntes-sammelsurium-von-leuten/2609338.html?p2609338=2
Abendessen im "WG Café". Foto: dpa Quelle:
Abendessen im "WG Café". Foto: dpa
HB DÜSSELDORF. „Wenn jemand das zweite, dritte Mal bei uns am Tisch sitzt, frag' ich ihn, ob er hier wohnt.“ Im „WG-Café“ in Düsseldorf kann man schnell mal den Überblick verlieren. 25 Frauen und Männer leben in einer großen Wohngemeinschaft auf 1500 Quadratmetern unter einem Dach – bei ständig wechselnder Zusammensetzung. In einem Monat sollen es schon 40 Mitbewohner sein.
Vor einem Jahr hatte Klaus Moskop (42) die Idee zu „Deutschlands größter WG“ und machte sich umgehend an deren Umsetzung. Nun ist ein umgebautes Autohaus samt angrenzender Wohnungen Heimstätte eines „bunten Sammelsuriums von Leuten“.
Das Herz der Wohngemeinschaft schlägt am großen Küchentisch. Hier sitzen allabendlich Anwälte, Studenten, Hartz-IV-Geld-Empfänger, Werber, Stahlhändler und der Chefkonditor eines großen Hotels zum gemeinsamen Essen zusammen. Hier klingt bei Altbier, Spanferkel und Zigarren der Tag aus. „Es ist bei uns so interessant, weil alle total unterschiedliche Charaktere sind“, preist Natasha die Vorzüge ihrer „Patchwork-Familie“ an. Die 24-jährige Hamburgerin ist vor vier Monaten zum Architekturstudium nach Düsseldorf gezogen. „Um Leute in neuer Umgebung kennen zu lernen, ist unsere WG ideal.“
Auch „Herbergsvater“ Klaus zieht nach einem Jahr stolz Zwischenbilanz: „Alle verstehen sich, es gab noch nie einen offenen Konflikt, und wir können uns vor Anfragen kaum retten.“ Mehr als 150 Bewerber würden auf der Warteliste stehen.
Kein Wunder, schließlich hat das „WG-Café“ eine Menge Vorzüge. Für eine Miete zwischen 300 und 400 Euro pro Monat steht den „Kommunarden“ Köchin, Putzkraft sowie freier Telefon- und Internetanschluss zur Verfügung. „Sauberkeit, Geldangelegenheiten, die Umverteilung von Diensten – wo es in anderen WGs Streit gibt, haben wir keine Probleme“, erläutert Klaus sein All-inclusive- Angebot.





































Während für den Internetunternehmer das Wohnexperiment eine Lebensaufgabe ist, betrachten die meisten das „WG-Café“ als Durchgangsstation. „Mit der Idee, bis zum Sanktnimmerleinstag hier zu wohnen, kommt keiner hierher“, sagt Alexander. Manchmal habe man schon das Bedürfnis nach etwas mehr Ruhe und Privatleben, pflichtet ihm Mitbewohnerin Nathalie bei. Das 19-jährige „WG-Nesthäkchen“ macht derzeit ein Praktikum bei einem Düsseldorfer Theater und will noch „maximal ein Jahr“ bleiben. Den Haustürschlüssel muss sie dann aber nicht abgeben: Allen Ex-Bewohnern steht das „WG-Café“ jederzeit offen.
Doch egal, ob sie schon nach kurzer Zeit wieder ihre Koffer packen wollen oder sich für länger einrichten – von der Idee der Groß-WG sind alle Bewohner begeistert. „Hier ist der Zeitgeist. Für mich ist die WG eine Essenz der momentanen gesellschaftlichen Neuordnung“, sagt WG-Senior Stefan. Nach der Trennung von seiner Familie hat der 45 Jahre alte Chirurg dort Unterschlupf gesucht, um nicht alleine zu sein. „Hier gibt es nicht nur Halli-Galli, sondern auch viele intensive Situationen.“
Den Erfolg seines Wohnexperiments führt „WG-Papa“ Klaus auf die veränderten Lebensbedingungen im 21. Jahrhundert zurück. „Diese Art des Wohnens wird in ganz Deutschland wieder entdeckt werden.“

Süddeutsche Zeitung über WGcafe.de


WG-LebenEine Kommune für Jobnomaden

28.09.2007, 17:19
Von Berit Schmiedendorf
In Deutschlands größter Wohngemeinschaft leben 49 Berufsstarter unter einem Dach. Ihr Zuhause ist eine ehemalige Bank.
Es ist das Hundefutter. Und die dampfende Espressomaschine. Auch der üppige Vorrat an haltbarer Milch in Tetra-Paks passen nicht so richtig in diese riesige, dunkel gebeizte Schrankwand, die bis vor kurzem schwere Aktenordner barg.
Hier, in der Elisabethstraße 39 im Düsseldorfer Stadtteil Bilk, residierte bis vor wenigen Jahren die Westdeutsche Landesbank. Das große Zimmer im Erdgeschoss mit der noblen Schrankwand und dem edlen Parkettboden war sicher einmal das vornehm knarzende Büro eines Bankdirektors. Heute ist es das Wohnzimmer von Klaus.
Und von Schnappi, für den das Hundefutter gebunkert ist. Klaus und der Jack-Russell-Terrier bewohnen die ehemaligen Bürofluchten mit einer Lässigkeit, die spießbürgerliche Etagenmieter nach Luft ringen lässt: Klaus hat keine Küche, kein eigenes Badezimmer, wenig Privatsphäre, dafür aber jede Menge Nachbarn. Schnappi und sein Herrchen teilen sich die 1500 Quadratmeter mit 49 Mitbewohnern.
49? Korrekt, denn Klaus Moskob ist der Erfinder und Verwalter von "WGnow", dem organisatorischen Dach von Deutschlands größter Wohngemeinschaft. Die Idee dahinter ist so simpel wie genial: Man nehme eine leerstehende Gewerbeimmobilie in interessanter Innenstadtlage, widme sie in Wohngemeinschafts-Raum um, baue ein paar Duschen und Gemeinschaftsküchen ein, lege einen Pool mit Ikea-Möbeln an - und fertig ist das Wohnkonzept für Jobnomaden.

Simulation einer Großfamilie

"Wir simulieren hier eine Großfamilienstruktur", sagt Klaus, der nach zwölf Jahren Ehe geschieden wurde, höchst reflektiert beim gemeinsamen Abendessen in der Augustastraße, der zweiten Düsseldorfer Riesen-WG mit 30 Zimmern, wo er an diesem Abend zu Besuch ist. Es gibt Köttbullar, schwedische Fleischbällchen, dazu Preiselbeerkompott, Kartoffelpüree und Sahnesauce, alles gestiftet von Mitbewohner Markus. Markus arbeitet bei Ikea, daher die schwedische Kost.
15 junge Leute sitzen im Gemeinschaftswohnzimmer rund um den riesigen Designer-Esstisch. Eine Tischdecke oder Servietten gibt es nicht, dafür aber Rotwein und Hintergrundmusik, die leise aus der WG-Stereoanlage rieselt.
"Ich werde hier wohnen, bis die WG abgerissen wird", antwortet Noel auf die Frage, wie lange er denn in dieser Einrichtung zu bleiben gedenke. Er lädt sich eine zweite Portion Fleischbällchen auf den Teller und erzählt in dezentem Schweizer Dialekt, dass er aus Zürich stammt.
Dort und in Sankt Gallen hat der 28-jährige Betriebswirtschaft studiert; nun arbeitet er als Geschäftsführer einer Internetfirma, die Fotos aus dem Club-Nachtleben ins Netz stellt, mit Sitz in Köln. Bevor Noel im November in die Riesen-WG zog, ist er ein Jahr lang durch Deutschland getourt; von Berlin nach Köln, von Köln nach Hamburg, von Hamburg nach Düsseldorf.
"Ich habe in dieser Zeit immer in kleinen WGs oder in Business-Appartements gewohnt. Das Wohnen im Appartement war das Schlimmste: Wenn du von der Arbeit nach Hause kommst und so alleine bist. Hier zu wohnen ist dagegen ideal: Auch nachts um eins ist immer noch jemand wach", erläutert Noel die Vorteile der Riesen-WG.
"Außerdem kannst du bei so vielen Leuten auswählen, mit wem du dich abgibst." Bis auf wenige Studenten und das ein oder andere schon länger im Job stehende Trennungsopfer wohnen in den beiden Düsseldorfer WGs ausschließlich Berufsstarter: Praktikanten, Auszubildende, Unternehmensberater, Controller, Blumenhändler, Ärzte, Staatsanwälte, Gastronomen.
Der jüngste Mieter ist 19, der Älteste 79. Das Durchschnittsalter der WG-Bewohner liegt bei 23, eine eigene Familie hat fast noch niemand oder eben nicht mehr. Die Arbeit ist daher ein wichtiges, vielleicht sogar das wichtigste Thema für die meisten WGNow-Bewohner.
"Durch die vielfältigen Kontakte hat man hier einfach mehr Berufschancen als ein normal arbeitender Mieter, der abends nach Hause geht und niemanden mehr trifft", hat WG-Gründer Klaus in den vergangenen drei Jahren, seitdem er das Post-Kommunardenleben aus der Taufe hob, beobachtet: "Das ist hier einfach eine unglaubliche Job-Community."

Uneingeschränkte Euphorie der Neuzugänge

Wer sich etwa gerade bewirbt, lässt sein Anschreiben nicht nur von einem, sondern gleich von fünf Mitbewohnern, die oft selbst erst kürzlich eine Bewerbung verfasst haben, gegenlesen und kommentieren - das gibt Sicherheit.
Die durchschnittliche Verweildauer in den beiden Groß-WGs beträgt sechs Monate. Die meisten Mieter räumen ihr Zimmer aber nicht aus Verdruss, sondern wegen des Studiums oder Jobs. Mit fast einem Jahr Aufenthalt in der Augustastraße gilt Noel bereits als Langzeitbewohner.
Er weiß, dass die große Schicksalsgemeinschaft um ihn herum nicht nur Vorteile, sondern auch Nachteile mit sich bringt. "Man wird Beziehungsaufbaumüde", sagt er. Die WG sei ein eigener Kosmos, in dem "man Gefahr läuft, andere Freundschaften und Beziehungen zu vernachlässigen". Die Partnerschaft mit seiner Zürcher Freundin hat der WG-Konkurrenz jedenfalls nicht standgehalten.
Tobi dagegen befindet sich noch ganz in der uneingeschränkten Euphorie der Neuzugänge. "Mir gefällt es sehr gut hier", schwärmt der 28-jährige Münsteraner, der vor zwei Wochen seine erste Stelle angetreten hat, als Wirtschaftsprüfungsassistent bei KPMG in Düsseldorf.
Schon jetzt arbeitet er, obwohl er noch gar keinen eigenen Fall hat, von acht bis 22 Uhr. Ein bisschen komisch hätten manche Kollegen zwar schon geschaut, als er im Büro berichtete, er lebe in einer Wohngemeinschaft. Doch die Vorteile, die das Leben in so einer großen Ersatzfamilie bringt, schätzt Tobi wie alle anderen WG-Bewohner als hohes Gut ein. "Das soziale Gefüge ist unbezahlbar."
SIE SIND JETZT AUF

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